Freie Presse Chemnitz - Oktober 2022

 Die sächsische Chanson-Sängerin Manuela Sie hat eine eigene "Popmusik für Erwachsene" geschaffen 


 "Ich denk an mich" - Wer das, von sich zugibt, der kann eigentlich gleich wieder einpacken. Aber halt: Wenn jeder an sich denkt, ist an alle gedacht, da ist unter gewissen Umständen sogar etwas dran. Zumindest wäre es dann so, wenn alle es so halten würden wie die SingerSongwriterin Manuela Sieber. So heißt das neue Album der in Bautzen beheimateten Berlinerin vom Titel her zwar "Ich denk an mich", aber im gleichnamigen Lied auf ihrer vierten CD präzisiert sie: "Damit ich für dich da sein kann, denk ich jetzt an mich." Das klingt doch schon ganz anders. "Die Fähigkeit, sich zwar ernst zunehmen, aber gleichzeitig immer mit einem Lächeln neben sich zu stehen - das beherrscht Manuela Sieber perfekt", attestiert der Deutschlandfunk der 55-Jährigen, die in früheren Jahren unter anderem als Rundfunkmoderatorin und Musicaldarstellerin sowie bei der Staatsoperette Dresden tätig war, die hauptberuflich als Gesangs- und Klavierpädagogin in ihrem Geburtsort Bautzen arbeitet und bei deren künstlerischer Entwicklung Sachsen im Allgemeinen und Chemnitz im Besonderen keine ganz unbedeutende Rolle gespielt hat. Rückblende, November 2015. Im Theatercafé "Exil" des Chemnitzer Schauspielhauses begleitet der Bassist Alexander Fuchs aus Oelsnitz im Erzgebirge mit seinem Trio die Sängerin bei einem Konzert. "Ihre Lieder und Texte haben mich von Anfang an fasziniert", sagt der 41-Jährige, der den Kontakt zu der 14 Jahre älteren Künstlerin aufrechterhielt. Mit der Konsequenz, dass heute Buchungsanfragen und alles Geschäftliche, was die sängerischen Aktivitäten Manuela Siebers betrifft, in Fuchs' Mailfach landen: "Sie liefert wunderbare Texte und Melodien, ich kümmere mich um alles drumherum", sagt der hauptberufliche Vereinskoordinator des Wirtschafts- und Gewerbevereins Aue, der in früheren Jahren auch schon mal als Berufsmusiker unterwegs war. Kenntnisse, die ihm insofern zupasse kommen, als er für das neue Album von Manuela Sieber, die jetzt unter dem Künstlernamen "Manuela Sie" firmiert, auch die Trio-Arrangements geschrieben hat. Und sich als Location Scout betätigt: Für ein im Coronajahr 2020 von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen gefördertes Video-Projekt zum Chanson "Ich denk an mich", an dem auch sein Trio mitwirkte, diente als so stil- wie stimmungsvolle Kulisse die Kellerbar der Stadthalle Oelsnitz mit ihrem etwas angestaubten Vintage-Charme. Bei einem Auftritt während des 2021 veranstalteten Oelsnitzer Freilicht-Sommer-Events "Juhuli" nahm das damals noch im Entstehen befindliche, in Dresden produzierte und nun bei allen Streamingplattformen verfügbare Album noch konkreter Gestalt an. Ein dort ebenfalls gastierender Kollege interessierte sich für Siebers Musik: Der mit allen Wassern gewaschene Sänger und Bandmusiker Dirk Zöllner, auch als Kolumnist bei der "Freien Presse" bekannt, singt bei zwei Titeln im Duett mit Manuela Sieber: "Diese Blues-Klangfarbe, die Zöllner mitbringt, hatten wir noch gesucht", so Fuchs. Und tatsächlich bringt sie eine zusätzliche Facette ein in eine sehr vielseitige Mischung aus kabarettistischen ("Neue Brille"), verspielten ("Kauz und Eule") und ernsten ("Blumen und Bilder") Chansons, die ihre Schöpferin als "Popmusik für Erwachsene" bezeichnet. Hätte sie es nicht selbst getan, müsste man dieses Genre für sie erfinden. Im Konzert Manuela Sieber stellt ihr neues Album am 8. Oktober, 19.30 Uhr, im Burgtheater Bautzen, am 9. Oktober, 18 Uhr, im Terra Ursprung in Lugau sowie am 10. Oktober, 19.30 Uhr in der Herkuleskeule Dresden vor. 


von Torsten Kohlschein

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